Denkmal im Peenestrom: Hubbrücke von Karnin(1933)

25. Jun.2010 um 9:38 pm | Veröffentlicht in 1, Brücken in Deutschland, EUROPA, Geschichte, Stahlbrücke | 1 Kommentar
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Karnin Hubbrücke

Die Überreste der Hubbrücke von Karnin

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Genietete Hubkonstruktion aus der Nähe

Eigentlich ist es keine Brücke mehr, nur noch ein als Fragment stehengebliebenes Denkmal: die Hubbrücke von Karnin, seit Jahrzehnten ohne die beidseits ursprünglich vorhandenen Fachwerküberbauten. Sie steht inmitten des Peenestroms kurz vor der Mündung ins Stettiner Haff.

Die erste Eisenbahnbrücke über den Peenestrom zwischen Kamp und Karnin wurde Ende 1875 als handbetriebene Drehbrücke errichtet, die ursprünglich zur Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft gehörte. Die Berliner konnten so ab 1876 direkt bis nach Swinemünde, auf die Inseln Usedom und Wollin, gelangen.  1879 wurde die Strecke verstaatlicht und von der Preußischen Staatseisenbahn weiter betrieben. Die Brücke wurde Teil der Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf/ Swinemünde.

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Hubbrücke - von der vorbeifahrenden Fähre aus gesehen.

Die Drehbrücke wurde wegen zunehmender Zugfrequenz zum Engpass und so entschloss man sich Anfang der Dreißiger Jahre zum Neubau der Hubbrücke, die eine Zuggeschwindigkeit bis 100 km/h erlaubte. Eine tragische Geschichte hat die Hubbrücke hinter sich. 1933 wurde die Eisenbahnbrücke eröffnet und am 28. April 1945 ist sie durch die zurückweichenden Truppen der deutschen Wehrmacht schon wieder zerstört worden. Den zügigen Neubau hatte die Brücke 1933 wohl auch seiner Zubringeraufgabe zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde (ab 1936) zu verdanken.[nach 3]

Zur gleichen Zeit entstand nach ähnlichen Konstruktionsprinzipien das Schiffshebewerkes Niederfinow im Zuge des Oder-Havel-Kanals. [3]

Der Hubteil blieb trotz der Zerstörung erhalten und steht seitdem als Ruine im Peenestrom [Foto unter 1]. Große Teile der Brücke wurden als Reparationsleistungen über Ducherow in die damalige Sowjetunion abtransportiert .[nach 1, 2] Teile der alten Karniner Brücke sollen auch beim beim Sanieren der Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin weiterverwendet worden sein. [3]

Seit 1990 steht der verbliebene Hubteil unter Denkmalsschutz, so dass dadurch der Abriss verhindert werden konnte. Immer wieder war die durchgehende Zugstrecke zur Badewanne der Berliner, nach Usedom in der Diskussion. Der heutige gute Zustand der Hubbrücke ist darauf zurückzuführen, dass ein rostbeständiger Stahl verbaut wurde, der auch ohne regelmäßige Farberneuerung nicht sonderlich korrodiert. [3]

Nur zwei Stunden soll der Vorkriegs-Berliner unterwegs gewesen sein. Heute braucht er mehr als doppelt so viel Zeit. So mancher mag sich an die Umsteigeprozedur von Züssow erinnern, mit der die Bahnreise nach Usedom über Jahrzehnte verbunden war. Mit einer Reaktivierung einer direkten Eisenbahnverbindung könnten die Straßen der Insel enorm entlastet werden. Übrigens gibt es im Museum Dargen [4] ein funktionstüchtiges Modell der Hubbrücke Karnin.

Technisches: Die Hubhöhe der Karniner Hubbrücke beträgt 28 m bei einer Gesamthöhe von 35 m. Die Länge der Hubbrücke ist 52 m, die gesamte Länge zweispurigen der Peenestromquerung betrug. etwa sechsmal so viel. Ein Modell des ursprünglichen Brückenverlaufes kann man unter USEDOMEDIA finden. [5]

Denkmal im Peenestrom

Fotos: KOE, vielen Dank!

Quellen:

[1] Geschichte der Usedomer Bäderbahn, zitiert am 24.06.2010.

[2] de.Wikipedia/Bahnstrecke Ducherow–Heringsdorf–Wolgaster_Fähre, zitiert am 24.06.2010.

[3] de.Wikipedia/Hubbrücke Karnin, zitiert am 24.06.2010.

[4] Museum Dargen, zitiert am 24.06.2010.

[5] USEDOMEDIA, zitiert am 25.06.2010.

Hamburg (DE): Rethe-Hubbrücke (1934)

19. Mai.2010 um 3:00 am | Veröffentlicht in 1, Brücken in Deutschland, Brückenschäden, Ersatzneubau, EUROPA, Geschichte, Stahlbrücke | Hinterlasse einen Kommentar
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Rethe-Hubbrücke-2006

Rethe-Hubbrücke-2006

Rethehubbrücke1980-stellamaris

Rethehubbrücke 1980, im Hintergrund die Kattwykbrücke

Die Entwicklung des Hamburger Hafens ging eng einher mit der Möglichkeit den Hafen am anderen Ufer zu erweitern. Feste Brücken im Hafenbereich wären in jedem Fall der Endpunkt für die Seeschifffahrt gewesen. Im Jahr 1934 wurde die erste genietete Stahl-Hubbrücke im Hamburger Hafen als Wahl- und Sofortmaßnahme  zur Arbeitsbeschaffungspolitik der im Dritten Reich errichtet und bereits nach 15 Jahren am 20. Juni 1934 eröffnet. Die Brücke war mit ihren 50 m hohen Hubtürmen damals weltweit eine der größten ihrer Art und stellte mit der besonderen Finesse des vollständigen Gewichtsausgleiches zwischen Gegengewichten und Hubteil durch den Antrieb mit Gelenkzahnstangen unterschiedlicher Masse die „Krönung“ des Hubbrückenbaues dar [1].

Rethehubbrücke1934

Rethehubbrücke im Eröffnungsjahr 1934

Die Rethe-Hubbrücke überbrückt die Rethe. Mit einer Hubhöhe von 35,25 m wurde eine Durchfahrtshöhe von 42 m erreicht. Das entspricht der Durchfahrtshöhe des Nord-Ostsee-Kanales. Die Durchfahrtsbreite beträgt nur 55 m, obwohl die eigentliche Spannweite der Brücke 73 m ist. Der Grund dafür liegt darin, dass beim Bau, vorhandene Gleisführung genutzt wurden und die Brücke in Anpassung an diese örtlichen Gegebenheiten die Rethe unter einem Winkel von 63° überspannt. Die Rethe-Hubbbrücke im Zuge des Rethedamms trägt neben Straßen- und Fußgängerverkehr auch noch den Eisenbahnverkehr (s. Foto oben).[nach 1]

Reparaturschweißung Rethebrücke 1978

Reparaturschweißung an der Rethebrücke 1978

Geschichte

Die Rethebrücke hat eine wechselvolle Geschichte. 1934 wurde sie nach nur 15 Monaten Bauzeit eröffnet. Während des II. Weltkrieges wurde sie stark beschädigt. Bis in die Fünziger Jahre musste der noch vorhandene moderne Stahl als Reparationsleistung an die Siegermächte abgegeben werden. Daher wurden in Deutschland viele Brücken mit Hilfe von Reparaturschweißungen wiederhergestellt.  Es gab für diese Not-Reparaturen mit Altstahl sogar eine Norm in Deutschland. Es wurde aus den erwähnten Gründen vorwiegend alter Stahl (unberuhigter Flussstahl/ Thomasstahl) verwendet, der nicht schweißbar war.

1972 kollidierte ein Schiff mit dem schon im Krieg geschädigten östlichen Hauptträger, es trat vermehrt starke Korrosion auf. 1985 führte man aus wirtschaftlichen Gründen statt eines Neubaus eine Grundinstandsetzung mit einer angestrebten Restlebensdauer von 15 bis 20 Jahren durch. Teile wurden ausgetauscht und gleichzeitig wurde die Brücke um 11 m erhöht. [nach 1] Doch die Tage der Rethehubbrücke sind gezählt. Im Februar 2009 hatte sie einen (zum Glück kurzzeitigen) Ausfall wegen Lagerbruchs einer der acht Seilscheiben. [2] Am 09.03.2009 war sie wieder betriebsbereit. Die Reparaturdauer konnte dank eines innovativen Verfahrens deutlich verkürzt werden, das die Hamburger Spezialfirma Karstens in enger Zusammenarbeit mit der Hamburg Port Authority (HPA) entwickelt hatte. Es erlaubte den Austausch der defekten Teile in der oberen Endlage der Brücke.[3] Nach [2] war die alte Brücke, die bis 2012 durch einen Neubau (Klappbrücke) ersetzt werden soll, gerade 2008 umfassend repariert worden.

Fotos: 1980 und 2006: StellaMaris1947, vielen Dank! 1934 aus [1], Fotograf nicht bekannt, bitte informieren, wenn jemand Details kennt.

Quelle und mehr Details:

[1]  Jonetzki, H., Jonetzki, T. (2006). Brücken zwischen Hamburg und Harburg – Bauten, die Häfen verbinden.

[2] Verkehrsrundschau vom 17.02.2009, zitiert am 18.05.2010

[3] Verkehrsrundschau vom 09.02.2009, zitiert am 18.05.2010

Schwaan: Hubbrücke über die Warnow (1928)

20. Jul.2009 um 3:16 am | Veröffentlicht in 1, Brücken in Deutschland, Brückenneubau, Brückenschäden, Sanierung, Stahlbetonbrücken, Stahlbrücke | Hinterlasse einen Kommentar
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Hubbrücke Schwaan

Hubbrücke Schwaan

Ansicht der Fahrbahnebene der Hubbrücke

Ansicht der Fahrbahnebene der Hubbrücke

Bevor 1928 in Schwaan eine genietete Stahlbrücke  als Hubbrücke über die Warnow gebaut wurde, gab es an dieser Stelle eine Holzklappbrücke, die nach [1] über die Jahrhunderte mehrfach erneuert wurde. Ein Bild der Holzklappbrücke findet man auf der Website des Kunstmuseums von Schwaan.

Provisorische Abfangkonstruktion am Pfeiler der HUbbrücke

Provisorische Abfangkonstruktion am Pfeiler der Hubbrücke

Am 1. Mai 1945 wurde die Brücke wie viele andere Brücken gesprengt. Erst 1951 wurde der Hubbrückenteil, also der Mittelteil der dreifeldrigen Brücke, wieder erneuert.[2] Die beiden außenliegenden Überbauten sind Stahlbetonüberbauten. Die Hubbrücke steht auf zwei Betonstrompfeilern.

Die Hubbrücke überspannt die Warnow in einer Breite von etwa 33 Metern. Der Hubteil kann um etwa 2,40 Meter angehoben werden, so dass sich eine Durchfahrtshöhe für den Schiffs- bzw. Bootsverkehr von 5 Metern ergibt. Die Hubbrücke ist ein technisches Denkmal und noch funktionsfähig. [2, 2008] Die Hubbrücke von Schwaan wurde im Laufe der Jahre zum kulturellen Treffpunkt und Anziehungspunkt für Touristen, z.B. zum Brückenfest.

Portal mit Anfahrschaden (?) an einem  Winkel des Fachwerkuntergurtwinkels

Portal mit Anfahrschaden (?) an einem Winkel des Fachwerkuntergurtwinkels

Ab 2008 ging es in der Diskussion um Abriss oder Sanierung, die Bevölkerung war durch einen Artikel in der Schweriner Volkszeitung vom 10.Mai 2008 alarmiert. Von Seiten des Straßenbauamtes werden nach [2] Baufälligkeit, nicht beseitigte Verformungen bzw. Spannungen in der Stahlkonstruktion infolge eines Autounfalls im Jahre 2005 an der Brücke und u. a. eine schlechte Gründung genannt. Damals rechnete man weder mit einer schnellen noch mit einer einvernehmlichen Lösung, da die Brücke ein Wahrzeichen der Stadt Schwaan ist.[2] Der SPD-Kreisverband setzte sich für einen Erhalt des technischen Denkmals ein und organisierte eine Aktion an der Brücke (06.2008). Auch die Grünen im Kreisverband Bad Doberan plädieren für den Erhalt des Denkmals (Januar 2009).

Seitlicher (östlicher) Betonüberbau

Seitlicher (östlicher) Betonüberbau

Inzwischen, ein Jahr später, sind die Gegengewichte mit Hilfe einer provisorischen verzinkten Stützkonstruktion abgefangen und eine Behelfsbrücke steht bereit um den Verkehr zu übernehmen. Diese sei nach einem Anschreiben vom November 2008 des Straßenbauamtes an den Bürgermeister in jedem Fall erforderlich, unabhängig davon ob für eine Instandsetzung oder einen Neubau. Im März bekannte sich der Verkehrsminister Schlotmann noch zur Hubbrücke. Wie es wohl weitergeht?

Update 10.August: Die Schweriner Volkszeitung vermeldete schon am 15. Juli 2009, dass es einen Neubau geben wird, traurig für alle, die eine Sanierung oder einen Nachbau des technischen Denkmals favorisiert hatten.

Das nächste Brückenfest ist schon geplant, es soll vom 14.-16. August 2009 stattfinden. Man wird nebenan nun den Abriss der aleten Hubbrücke beobachten müssen. Die Sentimentalität muss nun den wirtschaftlichen Zwängen weichen, der billigste von sechs Entwürfen hat nach [3] den Zuschlag bekommen. An der alten Hubbrücke hätten so viele Teile ersetzt werden müssen, dass dadurch der Status eines technischen Denkmals verloren gegangen wäre. Demzufolge hat der Denkmalschutz auch die  Erhaltung nicht durch Zuschüsse unterstützt.

Die sechs Brückenvarianten in der Schweriner Volkszeitung vom 26.06.09 [4].

Quelle:

[1] Website Buetzow-Schwaan , zitiert am 19.07.09

[2] snmv.blogspot, Bericht vom 10.06.2008 (Konrad Wille), zitiert am 19.07.09

[3] Schweriner Volkszeitung, Artikel vom 15.07.09, zitiert am 10.08.09

[4]  Schweriner Volkszeitung, Artikel vom 26.06.09, zitiert am 10.08.09

Zweithöchste Hubbrücke der Welt: Kattwyk-Hubbrücke

23. Jan.2009 um 3:00 am | Veröffentlicht in Brücken in Deutschland, Elbbrücken, EUROPA, Stahlbrücke | Hinterlasse einen Kommentar
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ponton-Kattwykbrücke

Kattwykbrücke im Jahr 2008

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Kattwykbrücke

Im Hamburger Hafen auf dem Weg der größten Schiffe durch die Süderelbe gibt es eine beeindruckende Brücke. Eine Hubbrücke, die  lt. Verkehrsrundschau bei ihrer Einweihung den größten Hub der Welt hatte. Die Durchfahrtshöhe beträgt 54 m. 100 m der Kattwyk-Hubbrücke zwischen den Stahlpylonen werden angehoben, wenn große Schiffe durchfahren. Seit 1973 ist die Stahlfachwerkbrücke in Betrieb. Seit letztem Jahr gibt es in Frankreich eine Brücke, deren Hub 1 m (!) höher ist: in Rouen.

2008 war ein schlechtes Jahr für die Kattwyk-Brücke, mit gutem Ende. Seit  Januar 2008 war sie defekt, ab 15.Dezember 2008 ist sie nun wieder für Straßengüter- und Eisenbahngüterverkehr freigegeben, meldete die Verkehrsrundschau.de im Dezember. Ein technischer Schaden zog sich länger hin, als ursprünglich gedacht. Eine der vier Seiltrommeln war so stark beschädigt, dass sie erst neu gebaut und ersetzt werden musste.

Fotos: Ponton´s Blog und StellaMaris47, vielen Dank!

Verkehrsrundschau zur Freigabe der Kattwyk Brücke am 15.12.08

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