Meiningenbrücke (1912)

08. Jan.2010 um 3:00 am | Veröffentlicht in 1, Brücken in Deutschland, Ersatzneubau, Geschichte | 11 Kommentare
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ponton-Meiningenbrücke

Meiningenbrücke von der östlichen Zingster Boddenseite gesehen

Meiningenbrücke über den Meiningenstrom

Meiningenbrücke über den Meiningenstrom: längster Überbau

Die Meiningenbrücke überbrückt den Meiningenstrom zwischen dem Zingster Strom und dem Bodstedter Bodden, die engste Stelle des Boddens zwischen dem Darss und der Barther Boddenseite, sie verbindet somit verbindet Zingst und Barth. Die Brücke besteht aus 14 rund 24,50 m langen parallelgurtigen Fachwerkträgern, einer 43,70 m langen Drehbrücke und einer weiter gespannten Fachwerkbrücke mit bogenförmigem Obergurt und einer Spannweite von 61,60 m [1]. Die Gesamtlänge beträgt 470 m [2].

Die Einwohner auf dem Darss verkünden es:  die Tage der alten genieteten Fachwerkbrücke sind gezählt, eine neue Brücke ist in Planung. Die Einheimischen sind am meisten betroffen, denn für die Fahrt über die Brücke muss man u.U. etwas mehr Zeit einplanen, vor allem an Hauptab- und -anreisetagen der Ostseetouristen.

Neben der Zufahrt über das Fischland ist diese einspurige Straßenbrücke im Winter wechselseitig mit Ampeln für den Verkehr freigegeben, der einzige weitere Zufahrtsweg auf die Halbinsel Fischland-Darss-Zingst. Im Sommer entlastet eine parallele Pontonbrücke (1980) den Verkehr. Die Pontonbrücke dient dann als Fahrspur in Richtung Bresewitz/ Barth, die alte Meiningenbrücke wird als Fahrspur in Richtung Prerow/Zingst freigeschaltet.

Meiningenbrücke-Drehbrücke

Meiningenbrücke-Drehbrücke

Geschichte

Die Brücke hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie wurde von 1908 bis 1912 im Zuge der Darssbahn als Eisenbahnbrücke gebaut. Dem Verkehr wurde sie bereits am 1.Dezember 1910 übergeben, obwohl die Bauarbeiten noch nicht vollendet waren. Eine weitere Brücke überbrückt das Vorland des Boddens zwischen Bresewitz und Pruchten, die Kloerbrücke (723 Meter). Die Betonpfeiler ruhen auf unzähligen Holzpfählen. Die Darssbahn fuhr bist 1947 nach Prerow. Dort steht heute eine alte Lokomotive vor dem zum Hotel umgebauten alten Bahnhof.

Durch den Mut der Zingster konnte eine Sprengung der Brücke am Ende des zweiten Weltkriegs verhindert werden, doch dann wurden die Gleise der Darssbahn wie so vieler Orts als Reparationsleistungen an die damalige Sowjetunion demontiert und abtransportiert.

ponton-Bf. Bresewitz

Bahnhof Bresewitz mit kleinem Museum der Darssbahn

Seitdem dient die  Meiningenbrücke nur noch als einspurige , rund 3,70 m breite Straßenbrücke. Der Bresewitzer Bahnhof wurde dann ab 1970 wieder aktiviert und diente dem Antransport von militärischem Bedarf für den NVA Standort Zingst [1]. Heute befindet sich am Bf. Bresewitz ein Minimuseum der Darssbahn.

Die Drehbrücke auf der Darsser Seite des Meiningenstroms wird zur Zeit im Winter nach [2] einmal in der Woche, doch nur bei Bedarf für die Schiffahrt 45 min lang geöffnet. Nur so gelangen Boote in den westlichen Bodden. Für kleine Ruderboote wird die Durchfahrtshöhe wohl auch so ausreichen.

Im Winter ist die Pontonbrücke nicht in Betrieb.

ponton-Meiningenbrücke mit Wildgänsen

Meiningenbrücke mit Wildgänsen

Quellen:

[1] de.wikipedia/Meiningenbrücke, zitiert am 07.01.10.

[2] Ostseeferieninfo, zitiert am 07.01.10.

11 Kommentare »

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  1. Die von Herrn Ebnet beauftragten Gutachter wollen eine neue Meiningenbrücke für Auto und Bahn. Dabei soll die Bahn die Autobrücke gleich weitgehend zahlen.
    Die Wirklichkeit sieht anders aus.
    Die vorhandene Straßenbrücke wurde einst als kombinierterte Eisenbahn-/Straßenbrücke gebaut. Durch Reparation entfielen nach 1948 die Gleise. Die Brücke ist aber erstens weiterhin als Eisenbahnbrücke gewidmet und trägt derzeit noch im Winter den gesamten Straßenverkehr. Zu DDR Zeiten fuhren auch noch die in Bresewitz entladenen Panzer über die Brücke. Das heißt so marode kann die Denkmalgeschützte Brücke gar nicht sein um nicht nach Sanierung zumindest die Triebwagen der UBB tragen zu können.
    Das ganze Gutachten war so gestrickt um den Eisenbahnbau so teuer wie möglich zu machen. Wie das unter Herrn Ebnet ging, zeigt ja die Strecke Hornstorf – Blanjenberg. Es wurden hunderte Brücken über die a 20 gebaut. Nur die Eisenbahnbrücke bei Neukloster wurde eingespart. Folge ist, dass bei den häufigen Sperrungen der Strecke Bad Kleinen – Wismar, die Fortsetzung nach Rostock wegen des Güterverkehrs auch gleich gesperrt wewrden muß, mit den Folgen für Urlauber und Einheimische, insbesondere, wenn sie nach der Anreise Mecklenburg mit dem Fahrrad bereisen wollen und es im SEV nicht mitnehmen können.

  2. Vielen Dank für die ergänzenden Informationen. Die Brücke ist in die Jahre gekommen und hat einige Bereiche, an denen unbedingt investiert werden MUSS. Ermüdung ist eine zeitabhängiger Prozess und mangelhafte Wartung führt zu Korrosion und damit zu unschönen Kerben, die die Situation noch verschärfen. Für diesen Zustand und die derzeitige Sicherheit muss jemand die Verantwortung übernehmen. Trotzdem sind wir auch für das Bewahren des Kulturellen Erbes und die Sanierung der interessanten Drehbrücke wenigsten für Radfahrer und Fußgänger. Die Pontonbrücke allein ist jedenfalls auch keine Lösung, Eine lokale Regionalbahn würde die einzige Straße Fischland-Darss-Zingst sehr entlasten, die ja am anderen Ende nicht einmal über eine ampelgeregelte Kreuzung verfügt…

  3. Die Meiningenbrücke war zu DDR Zeiten (zumindest seit unsere Familie jedes Jahr damals dort Ferien gemacht hat ab 1980) nicht in Benutzung.
    Die Brücke war völlig marode, defekt und voll gesperrt.
    Jeglicher Verkehr ging nur über die Pontons. Auch die benannten Panzer-Transporte erfolgten über die Pontonbrücke. Erst mit der erfolgte Sanierung
    nach 1989 ist die Meiningenbrücke wieder in eine Richtung befahrbar.

  4. Liebe Ira, vielen Dank für die Ergänzung. Heute geht der Verkehr im Winter bei Frost Ampel-geregelt abwechselnd in beide Richtungen und im Sommer in Richtung Zingst. Dann übernimmt die Pontonbrücke die fahrtrichtung aufs Festland. Der Neubau lässt noch auf sich warten, nach der Info auf der Website von Dr. Roschig war die Entwurfsplanung für den Maschinenbau im Auftrag von MIV Schwerin/IB Grassl Greifswald schon 2006. Obwohl ein Neubau und eine Verbesserung der Meiningenbrücke schon einige Jahr in der Planung waren, hätten sich die Usedomer Bäderbahn mit den Gemeinden Zingst und Prerow auf einen Wiederherstellung der Darß-Bahn bis zum Jahr 2015 geeinigt, berichtet die Zingster Website Strandurlaub.

  5. Ergänzung: Im vorigen Jahr gab es eine kleine Anfrage eines FDP Abgeordneten zum Neubau der Meiningenbrücke an die Landesregierung MVP. Danach kann der Neubau der neuen Straßenbrücke erst ab 2011 beginnen. Die Trasse für die Bäderbahn soll freigehalten werden.

  6. Man bekommt verstärkt den Eindruck als sollten mit dem Brückenthema von der Politik und ihren Gutachtern Nebelkerzen gestreut werden. Auch mir ist bekannt, dass eine neue Meiningenstraßenhochbrücke gebaut werden soll, die nicht mehr geöffnet werden kann. Die Bahn sollte berücksichtigt werden und nach dem Straßenbau auf der sanierten Meiningenbrücke verkehren. Diese ist sicher instandzusetzen, das dürfte aber auch der UBB und dem Verfassser der Darssbahn Diplomarbeit in Greifswald bei ihren Kostenschätzungen bekannt gewesen sein.
    Im Gutachten taucht allerdings plötzlich eine völlig neue Klappbrücke für Schiene und Straße analog Wolgast auf. Diese soll zudem die Bahn zu großen Teilen zahlen. Die denkmalgeschützte Meiningenbrücke sollte wohl still und heimlich entsorgt werden. Das hat man ja in Karnin auch schon versucht. Das passt zur Politik des früheren aus Regensburg stammenden Verkehrsminister Ebnet. Daher wurde das Gutachten auch nach München vergeben. Das Ergebnis des Gutachtens würde im Deutschaufsatz eine 6 bedeuten, da das Thema offenbar verfehlt wurde. Damit wäre die Darssbahn vom Tisch gewesen ohne dass der Rügenbrücken- und Umgehungsstraßenminister Ebnet es zu vertreten gehabt hätte. Die Gutachter haben gesagt…. Da inzwischen die Verkehrslawine allerdings droht dem, Tourismus mehr zu schaden als ihm zu nutzen und da mit Herrn Schlotmann bei aller Kritik auch an ihm in das Straßenministerium in Schwerin neue Töne eingezogen sind, steigen die Chancen für die gesamte Darssbahn bis weiter in Richtung Ribnitz und Graal Müritz. Abgesehen davon könnte man den Zugverkehr auch ohne neue Brücke zeitnah bis zum Brückenkopf in Bresewitz aufnehmen und dort umgehend eine einfache Verknüpfung mit der kleinen Darssbahn bzw. dem öffentlichen und von den Hotels angebotenen Busverkehren herstellen.

  7. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar zur Meiningenbrücke. So sehr neue Brücken den Zugang nach Zingst und auf den Darss vereinfachen, so sehr muss man auch bedenken, dass die einzige Durchfahrtsstraße in ihrer Kapazität auch beschränkt ist (die hoffentlich nicht weiter ausgebaut wird). Viel mehr Autos verkraftet diese Straße im Sommer auch nicht. Die Darssbahn zunächst bis Bresewitz fahren zu lassen ist auch eine Variante, damit kämen u.U. auch weniger Autos. Schon jetzt kann man doch Stellen kaum alle besetzen, weil Bewohner des Festlandes im Sommer kaum von und zur Arbeit auf den Darss kämen.
    Eine vergleichbare ältere genietete Stahlbrücke konnte in Portugal gerettet werden: Die Eiffelbrücke in Vianna do Castello nahe der Atlantikküste. So konnte ein stark korrodiertes Wahrzeichen doch noch erhalten werden.
    Und: Einzelgutachten bergen im Allgemeinen immer Gefahren in sich bestimmtes Klientel zu bedienen. Im Dresdner Elbtal stützte sich die Aberkennung des Welterbestatusses auch auf ein einzelnes Gutachten- es war keins aus Dresden! Und alle bedauern, dass es so weit kommen musste.

  8. Hallo Ira ich weiss ja nicht welches Jahrhundert du meinst als die Meiningenbrücke gesperrt war, aber es war defenitiv nicht in den 1980 Jahren.
    Ich habe in Bresewitz meine gesamte Kindheit und Jugend verbracht und habe mit eigenen Augen gesehen wie die Panzer über die Brücke gefahren sind.
    Mich würde mal interressieren wo du den in Bresewitz Urlaub gemacht hast…

  9. Hallo, Betina,
    Panzer bringen natürlich hohe Achslasten auf die Brücke, die der Dauerfestigkeit definitiv mehr schaden als 100 oder mehr PKW´s. Die Auflager der Brücke scheinen jedoch irgendwann in der näheren Vergangenheit erneuert worden zu sein. Vielleicht meint Ira die Sperrung während dieser Sanierung? Möglicherweise liest Ira den Kommentar und kann mehr dazu sagen.

  10. Hallo Ponton…

    wie geschrieben ich habe in Bresewitz meine gesamte Kind- und Jugendzeit verbracht, vielleicht sollte ich erwähnen das ich 1977 dort hingezogen bin…und da Ira dort Urlaub gemacht hat gehe ich davon aus das das im Sommer war, und gerade zur Saison hätten sie die Brücke nicht gesperrt das wäre verkehrsmässig nicht zu bewältigen gewesen…

  11. Hallo Betina,
    es war aber so. Bin mit meinen Eltern jedes Jahr nach Barth in Urlaub gefahren. Die „große“ Brücke war gesperrt. Der ganze Verkehr lief Über die „kleine“. Wir haben Stunden bis zum Strand gebraucht und abends dann wieder zurück. Erst Nach der Wende konnte der Verkehr halbseitig über die „große“ Brücke laufen.


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