Berlin: Liebknechtbrücke (1950)

23. Okt.2009 um 3:00 am | Veröffentlicht in 1, Brücken in Deutschland, Geschichte, Kultur, Mauerwerksbrücke, Spreebrücke, Stahlbrücke | 3 Kommentare
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Liebknechtbrücke von Nordostufer ausgesehen

Liebknechtbrücke von Nordostufer ausgesehen

Liebknechtbrücke Untersicht der 17 Zweigelenkrahmen

Liebknechtbrücke Untersicht der 17 Zweigelenkrahmen

Die heutige Liebknechtbrücke verbindet die vom Alex kommende Liebknechtstraße mit der berühmten Berliner Straße Unter den Linden im Stadtbezirk Berlin -Mitte.

Neu auf Alt: Die alten Natursteine tragen die neuen Wände

Neu auf Alt: Die alten Natursteine tragen die neuen Uferwegwände

Die Brücke als solche gibt es schon länger als den Dom. Auf einer Berlin-Karte von 1688 (im Todesjahr von Friedrich Wilhelm dem Großen) steht an der Stelle des Doms neben dem Kurfürstlichen Schloss das Berlinische Rathaus. Eine Radierung nach einer geometrisch-topographischen Vermessung der beyden churfürstlichen Residentzstätte Berlin und Cölln  an der Spree für den Berliner Festungsbau von 1652 zeigt noch keine Brücke an dieser Stelle [2].

Fußgängerbogen am nördlichen Spreeufer

Fußgängerbogen am nördlichen Spreeufer

Die Holzbrücke verband damals den Lustgarten neben dem Kurfürstlichen Schloss Friedrich Wilhelms des Großen in der kurfürstlichen Residenzstadt Cölln mit dem nördlichen Berliner Ufer. Die Holzkonstruktion erhielt nach Fertigstellung des Kavalierhauses am Schloss den Namen Kavalierbrücke. Nach einem überlieferten zeitgenössischen Bericht stürzte diese Brücke 1709 durch großen Menschenandrang ein und riss 40 Menschen mit in den Tod. [1]

Erst im späten 19. Jahrhundert ersetzte man die hölzerne Kavalierbrücke (nun schon auf gusseisernen Säulen[1]) durch eine dreibögige Mauerwerksbrücke, die Kaiser-Wilhelm-Brücke (1889).

Mit dem Abriss der ursprüngliche n Kaiser-Wilhelm-Brücke über die Spree am Berliner Dom wurde zunächst aus stadtplanerischen Gesichtspunkten 1939 begonnen. Am Ende des 2. Weltkrieg zerstörten deutsche Truppen, was noch nicht abgerissen wurde. Als Liebknechtbrücke wurde sie 1949-50 wieder erbaut.  Die neue Brücke wurde auf den verbliebenen Mauerresten der alten Brücke wieder errichtet.

Berliner Bärenkopf, gekrönt mit den Zinnen der Stadt

Berliner Bärenkopf, gekrönt mit den Zinnen der Stadt

Die Liebknechtbrücke besteht aus zwei seitlichen gemauerten Bögen und einem, genieteten auf zwei Gelenken auf den Widerlagern aufgelagerten, Stahlrahmen. 1975 wurde die Fahrbahn komplett durch eine tragfähigere Stahlbetonplatte ersetzt.

Am nördlichen Ufer überbrückt ein gemauerter Überbau (unter weitgehender Widerverwendung der verbliebenen Bogenreste der äußeren kleinen Bögen der Kaiser-Wilhelm-Brücke) einen öffentlichen Fußgängerweg, der südliche Überbau ist Teil der Spreebrücke.

Die Bärenköpfe aus Gussstahl  (von 1888) waren 1939 zunächst eingelagert worden. Zum Glück sind sie nicht eingeschmolzen worden, sondern zogen 1945 mit den Amerikanern in die USA. Erst 1992 erfuhr man im Berliner Senatvom Verbleib und 1997 weihten US- Botschafter Kornblum und der damalige regierende Bürgermeister Diepgen die Wiederanbringung an origimnaler Stelle ein. [nach 3]

Nun soll eine neue Verkehrslösung entstehen, Befürworter des Schlosses wollen die Rathausbrücke zur Hauptverkehrsader machen. Damit gäbe es keine geradlinige Verbindung zur prachtstraße Unter den Linden mehr. Für die regelmäßigen Autofahrer würde dieser Umweg wohl eher zeitraubend und für die übrigen Berliner und Touristen unangemessen unter den heutigen, seit Jahrzehnten veränderten, Bedingungen. Vom Alex bis zur Rathausbrücke gibt es heute eine eher verkehrsberuhigte Fläche, ohne Straßenbahnen und Busse, am Nicolaiviertel entlang – so sollte es bleiben.

Informationstafel an der Liebknechtbrücke, im Hintergrund die Friedrichwerdersche Kirche

Informationstafel an der Liebknechtbrücke, im Hintergrund die Friedrichwerder´sche Kirche

Quellen:

[1] de.Wikipedia/Liebknechtbrücke, u.a. nach: Berlin und seine Brücken,… Seite 57, zitiert am 21.10.09.

[2] Märkisches Museum Berlin, Karten und Modelle.

[3] Der Berliner Bär: Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart, von Bernd D. W. Unger

3 Kommentare »

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  1. Das war sehr interessant zu lesen, danke!
    Vor zwei Wochen habe ich ein verlängertes Wochenend als Gast einer Bloggerfreundin verbracht, bin zum ersten Mal in Berlin gewesen. Wir haben am Samstag Nachmittag eine über vierstündige Brückenfahrt unternommen, die mehr als kurzweilig und informativ gewesen ist. Allerdings kann man sich ja selbst bei gutem Gedächtnis kaum die ganzen unterfahrenen Brücken im Kopf behalten. Daher finde ich eine solche Auffrischung wirklich ausgesprochen gut!
    Liebe Grüße, wünsche dir ein erholsames und schönes Wochenende!

  2. Ja, die Brückenfahrt sollte man als Berlinbesucher oder Berliner nicht zu verpassen. Die mache ich auch immer wieder gern. Berlin hat so viele interessante Brücken-Highlights, die alle ihre eigene Geschichte haben. Unheimlich spannend. Vielleicht kommst Du mal wieder in die Stadt, es gibt noch vieles zu entdecken, auch viel Historisches, man sollte es bewahren.

  3. Ich komme ganz bestimmt wieder nach Berlin, ich hab ein Stückchen meines Herzens in dieser Stadt zurück gelassen.😉


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