Donaubrücken: Die unendliche Geschichte der Alten Brücke in Bratislava

17. Mrz.2009 um 3:13 am | Veröffentlicht in Brückenschäden, Donaubrücken, Ermüdung, Geschichte, Inspektion, Kultur, Sanierung, Stahlbrücke | Hinterlasse einen Kommentar
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Alte Brücke in Bratislava

Alte Brücke in Bratislava, Quelle Wikipedia (Gnu Lizence)

Eine Fachwerkbrücke mit zwei parallelen Überbauten für Straße und Gleise verbindet die Bratislavaer Altstadt mit der Plattenbausiedlung Petrzalka westlich der Donau. Stary most, die Alte Brücke, heißt die Stahlfachwerkbrücke in Bratislava mit drei Strompfeilern. Ein Gleis diente bis 1985 noch dem spärlichen (Güter-) Zugverkehr. Heute fährt hier kein Zug mehr, der zweite Überbau wird nur noch Fußgängern und Autos (je eine Richtungsfahrbahn) genutzt.

Geschichte

Abgesehen von einer kurzzeitig im 15. Jh. existierenden Brücke gab es hier bis ins 19. Jh. keine Brücke. 1825 wurde in der Nähe dieser Stelle am Koronázási domb (heute etwa am Platz Ludovit Sturs), eine Pontonbrücke über die Donau errichtet, die bis 1891 hielt. Pontonbrücken schien man an der Donau , z.B. so auch in Sturovo und Budapest, den Vorzug zu geben, nachdem mehrere Holzbrücken durch Fluten und Hochwasser immer wieder zerstört wurden.

[1] berichtet, dass die heutige Brücke 1890 bis 1891 errichtet wurde und nach dem Kaisser Franz Josef I. benannt wurde, der sie auch eröffnete. Schon damals war es eine kombinierte Brücke für Auto-, Fußgänger- und Eisenbahnverkehr. Die Eisenbahnlinie über die Brücke von Baratislava nach Szombatheli eröffnete im gleichen Jahr. Während der ersten Tschechoslowakischen Republik (1918-1938) hieß die Brücke Stefanik-Brücke.

Am 2. April 45 wurde die Brücke mit zwei Bögen, über die damals auch die Straßenbahn nach Wien fuhr, von den Deutschen in die Luft gejagt. [3]

Eigentlich hieß die Brücke bis 1990 Brücke der Sowjetarmee (Most Cervenej Armady), denn 1945- Februar 1946 baute die Rote Armee mit Hilfe deutscher Kriegsgefangener die  Brücke als Provisorium auf den alten vorhandenen Strompfeilern wieder auf.[2] Im Volksmund wurde sie jedoch jahrzehntelang ausschließlich Alte Brücke genannt.

Die Fachwerkbrücken wurden mit den Jahren so altersschwach, dass 1985-86 die letzten Teile der ursprünglichen Brücke ausgetauscht wurden. Seit dieser Zeit fährt auch kein Zug mehr über die Brücke. Die Holzbeplankung der Fahrbahn wurde damals gegen Betonplatten ausgetauscht und damit die Eigenlast erhöht. Einst wurd die Kopplung der beiden Überbauten in der Mitte diskutiert, um bei verändertem statischen System die Beanspruchungszyklen zu reduzieren und die Dauerhaftigkeit des Gesamtsystems zu erhöhen.

Heute

2001 und 2005 gab es an der Brücke detaillierte Inspektionen.  In der Nacht vom 27. auf den 28. März 2002 rammte auch noch das Österreichische Motorschiff Greifenstein den ersten Pfeiler auf der Seite Petržalka und beschädigte den Fußgängerweg. Der Betonbelag des Fußgängerweges wurde gegen Akazienholzbelag ausgetauscht und damit die Eigenlast wieder reduziert.

Stellenweise sollen nach [3] inzwischen die Stahlprofile des Hauptragsystems von ursprünglich 16 bis auf 6 mm Dicke abgerostet sein. Immer wieder wurde ein Abriss und Neubau der Alten Brücke diskutiert.

Noch 2008 war ein Neubau für eine schnelle Straßenbahnverbindung (zunächst auf der Strecke Šafárikplatz – Alte Brücke – Bosákova), also von der Innenstadt nach Petrzalka geplant.  Dafür sollen auch die alten Pfeiler abgerissen werden, denn die Durchfahrtsbreite genügt mit ihren nur 86 m den heutigen Anforderungen (100 m) nicht mehr. Die Durchfahrtshöhe muss um 1,9 m erhöht werden. Der Neubau sollte bis 2010 in Betrieb gehen.

Nun wurden geodätische Vermessungen und dynamische Messungen durchgeführt.  Seit das Ergebnis bekannt ist, durften ab 01. Januar 2009 auch keine Autos (mit Ausnahme des ÖPNV) mehr über die Brücke fahren. Prof. Alexander Tesar , der die Inspektionen und Nachrechnungen leitete, schätzt die verbleibende Restnutzungsdauer auf 16 Jahre. Eine Entscheidung darüber, ob die Brücke unter Denkmalsschutz gestellt wird ist noch offen [3]

Inzwischen diskutiert man statt der Neubaulösung wieder eine Reparatur, da in den Zeiten der Krise die städtische Firma weder Termin noch den finanziellen Rahmen einhalten kann. Grund ist der Sparzwang. Man erwägt wieder die Nutzung der alten Gleise für die Straßenbahn. Die Reparatur der Brücke soll trotzdem bis Oktober 2010 fertig gestellt sein.[4]

Den derzeitigen tatsächlichen Zustand kann man nicht einschätzen. Es können unerwartete Sachverhalte auftauchen, wenn man den Fahrbahnbelag beseitigt hat. Die Kosten für die Reparatur schätzt der Magistrat jetzt auf 20 Mio€, den Neubau auf 55 Mio€. Steigen die Kosten für die Brücke, so sinken die Mittel für andere Baumaßnahmen …[nach 4].

Kann da keiner helfen? Was ist mit PPP oder Privatinvestoren?

Quellen:

[1] sk/Wikipedia (16.03.09)

[2] de/ Wikipedia (16.03.09)

[3] Die Alte Brücke ab Januar für Autos gesperrt (20.11. 2008)

[4] Die alte Brücke fordert eine Analyse (09. März 2009)

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