Wieder AKR?-Die Bahn-Strecke Berlin-Hamburg wird gesperrt

22. Feb.2009 um 3:16 am | Veröffentlicht in 1, Sanierung | 4 Kommentare
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ice6Seit dem Ausbau 2006  rast der ICE in 1 1/2 Stunden von Berlin nach Hamburg (287 km).[1] Ab 1. März 2009 wird die Strecke Bahnstrecke Berlin-Hamburg komplett gesperrt. [1],[2]. Ursache sind zum Glück nicht die neuen Brücken, die die alten Bahnübergänge seit dem Ausbau als ICE Strecke ersetzen, sondern die Schwellen aus den 90-ziger Jahren (1992-1999 verlegt [3]). Die Bahn spricht von Produktionsfehlern, die zum Austausch von fast 250 000 Schwellen führten. [2] Laut der SHZ.de (20.02.09) war der Lieferant nicht in Regress zu nehmen.

Die Schwellen haben dank ihrer alkalireaktiven Gesteinskörnungen im Beton, die mit den Alkalien (Natrium Na+, Kalium, K+) im Porenwasser reagieren,  ein AKR-Problem [Alkali-Kieselsäure (Aggregat)-Reaktion] [4]. Das sich bildende Alkalisilikagel quillt so stark, dass es den Beton förmlich auseinander treibt. Die Spannkraft der Vorspannung in den Eisenbahnschwellen kann dann vom zerbröselnden Beton nicht mehr aufgenommen werde, so  dass im fortgeschrittenen Stadium das ganze System Schwelle versagt. Mancher spricht auch von Betontreiben, Betonkrebs oder Betonaids.

Die alkalireaktiven Gesteinskörnungen und ihre Vorkommen sind bekannt. Sowohl in der alten DDR als auch in der BRD gab es einen fundierten Überblick über schädigende Kombinationen von Zuschlag und Alkalien, z.B. Zement.  Es gab Landkarten über die Verteilung alkalireaktiver Gesteinskörnungen. Beide Seiten hatten zuvor für AKR-Fälle viel Lehrgeld bezahlt. Die alte BRD schon 1965/66, als sie die Lübecker Lachswehrbrücke nach zwei Jahren [5] wieder abreißen musste, die DDR  an ihrem Ende für ihr Spannbetonschwellendesaster. Heute gilt die Alkalirichtlinie des DAStb. Dass es nun wieder einen weiteren AKR Fall geben muss, scheint vermutlich am zu verdienenden Geld und fehlender Kontrolle zu liegen.

Die Bahn hatte die Schwellen beim Ausbau der Strecke als ICE-Strecke nicht mit erneuert. Aus heutiger Sicht ist  es gut, dass Bahn und Netz zusammen gehören, und beide nicht privatisiert sind. Was gäbe es sonst für Interessenskonflikte bei der Sanierung.

Sind die Schwellen zukünftig zu unsicher, muss also schnellstens etwas für die Sicherheit getan werden. Am 1. März geht es los. Die Vollsperrung scheint die schnellste, und auch für die Bauarbeiter auf der Strecke sicherste Variante zu sein.90% der Schwellen werden automatisiert von Schwellenumbauzügen ausgetauscht.

Am 13. Juni 09 sollen die Arbeiten fertig sein, verspricht die Bahn. Für zuverlässige Informationen hat die Bahn eine Website eigens für Informationen über Bauarbeiten eingerichtet. [2]

Der Bahnkunde muss 40 min Umweg über Stendal und Uelzen in Kauf nehmen, dafür erhält er ja auch einen Snack und ein Kaltgetränk! Montags bis Freitags bekommt er noch eine Zeitung dazu. [3]

Quellen:

[1]Hamburger Abendblatt (19.02.09)

[2]Bauarbeiten(21.02.09), Faltblatt Berlin-Hamburg, Stand Februar 2009

[3] Morgenpost (20.02.09)

[4] Wikipedia/AKR (21.02.09)

[5] VDB Verband Deutscher Betoningenieure (23.08.2012)

Interessante Seiten zur AKR:  Zementindustrie, Website Alkalitreiben

Update am 13.06.09:

Strecke für den ICE wieder frei ab 14. Juni 2009 nach Austausch von 250000 Schwellen.

Update am 23.08.2012:

Die Lachwehrbrücke ist nach [5] in Lübeck abgerissen worden und nicht im Bremen, berichtigt am 23.08.2012.

4 Kommentare »

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  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    unter dem Button „Aktuelles“ meiner Homepage habe ich die Phasen der Langzeitbeständigkeit/Schadensproduktion – untersetzt nach Einsatzstoffen – für Rethwisch-Möllenhagen dargestellt. Als Gutachter (im Dienstverhältnis) habe ich 1981 die Schäden (die mit dem Produktionsjahr 1976 begannen) abstellen können (ist in der Homepage, die vorerst mehr den normal- bzw. naturerhärteten Betonen gilt, ausreichend dargestellt, mit Literatur).
    Dr. Hempel
    30.04.09

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Hempel,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich denke, dass Ihre Hompage http://www.betontreiben.de ist, die unter dem obigen Artikel als „Interessante Seiten zur AKR … Website Alkialitreiben“ verlinkt ist. Sehr interessant und unbedingt lesenswert für alle, die sich für AKR interessieren.

  3. „…. schon 1965/66, als sie die Bremer Lachswehrbrücke nach zwei Jahren wieder abreißen musste ….“ Ein soilcher Vorfall ist aus Lübeck bekannt. Die Übereinstimmung der Jahreszahlen läßt vermuten, daß dieser gemeint ist. Gibt es in Bremen überhaupt ein Lachswehr?

  4. Vielen Dank für den Hinweis. Der Verband Deutscher Betoningenieure e.V. (s.[5]) bestätigt, dass es sich um Lübeck handelt und nicht, wie ursprünglich geschrieben, um Bremen. Es wurde heute berichtigt.


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