Gerbergelenke an Vollwandträgern von Stahlbrücken

12. Jan.2009 um 3:24 am | Veröffentlicht in 1 | Hinterlasse einen Kommentar
Eiserne Brücke von Schaper 1908

1 Typisches statisches System für Straßenbrücken um 1900, Quelle: Schaper 1908

S-Bahnüberführung über dien Schiffbauerdamm am Bf. Friedrichstraße

2 S-Bahnüberführung über den Schiffbauer Damm am Bf. Friedrichstraße, Quelle: ponton

Bei den genieteten Stahlbrücken über städtische Straßen mit beidseitigen Fußgängerwegen um 1900 wurde das Prinzip des Gerberträgers fast regelmäßig angewandt. Diese Konstruktionsart war typisch für die Zeit der Jahrundertwende 19.-20. Jh.. Gerbergelenke sind im Stahlbau bewährte Details für Momenten freie Anschlüsse von Durchlaufträgern.

Die Lager und Gelenke der Gerberträger müssen so angeordnet sein, dass die einzelnen Teile des ganzen Trägers statisch bestimmt und unverschieblich gelagert sind [1]. Die Varianten sind in Bild 1 dargestellt. Das Gerbergelenk wird an der Brücke i.d.R. dort angeordnet, wo unter Eigengewicht das Moment Null gewesen wäre. Die Gelenke wurden entweder unmittelbar über die Säulen oder in den Seitenöffnungen dicht neben die Säulen gelegt [1].

Gleichzeitig dient das Gerbergelenk auch zum Ausgleich der Temperaturdehnungen im Bauwerk, als Dehnungsfuge. Bild 2 zeigt ein Beispiel für ein Gerbergelenk, gefunden an einer S-Bahnbrücke über den Schiffbauer Damm am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin Mitte.

Gerbergelenks an der Eiswerderbrücke über die Havel

3Gerbergelenk an der Eiswerderbrücke über die Havel Quelle: Schaper 1908

Es gab nach [1] zwei grundsätzlich verschiedene Anordnungen:

a) Man verbindet den Krag- und Schwebeträger durch einen Gelenkbolzen. Die Fahrbahn muss in diesem Fall so angeordnet werden, dass die Gelenkwirkung nicht beeinträchtigt wird.

b) Man lagert den Schwebeträger mittels eines Gleitträgers auf den Kragträger und lässt die Fahrbahntafel oder auch den Windverband ununterbrochen durchgehen. (Diese Art ist typisch auch für extrem lange Hochbahnkonstruktionen.)

Von großer Wichtigkeit ist die zweckentsprechende Ausbildung des Abschlusses der Gelenkfuge gegen die Bettung [1]. Ist sie durch 100-jährige Nutzung nicht zugesetzt mit Schmutz oder Taubennester (!!), so sind diese Konstruktionen bis heute funktionsfähig. Viele dieser Gerbergelenke kann man bei einem Spaziergang durch die deutschen Städte wiederfinden.

Quelle: [1] G. Schaper: Eiserne Brücken, Berlin 1908, Verlag Wilhelm Ernst & Sohn

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