ZfPBau-Verfahren für die Zustandserfassung von Brücken

07. Okt.2008 um 10:49 pm | Veröffentlicht in 4 Brücken, Vision, Zerstörungsfreie Prüfung | 2 Kommentare
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GCTP

Stahlbetonbrücke im Bau, Quelle: GCTP

ZfPBau-Verfahren für die Zustandserfassung von Brücken der Bundesfernstraßen

von Dr.-Ing. Krieger, BASt

Vortrag anlässlich der Bauwerksdiagnose 2008

Die Verwirklichung von individuellen und wirtschaftlichen Zielen erfordert ein hohes Maß an Mobilität. Zur Gewährleistung dieser hohen Anforderungen sind leistungsfähige Verkehrsinfrastrukturen notwendig. Hierbei kommt insbesondere den Straßen, die von allen Verkehrsträgern bereits heute den größten Anteil an Güter- und Personenverkehr bewältigen, eine Schlüsselrolle zu. 2005 wurden ca. 70 % des Güterverkehrs und mehr als 88 % des Personenverkehrs über das Straßennetz abgewickelt. Das Straßennetz ist außerdem wichtigstes Bediensystem für die anderen Verkehrsträger Bahn, Flugzeug und Schiffsverkehr. Die verkehrliche Bedeutung der Bundesfernstraßen wird mit einem Anteil an den Jahresfahrleistungen von insgesamt 47,3 %, bei einem Längenanteil von 30 % deutlich. Alleine die Bundesautobahnen übernehmen mit einem Anteil von lediglich 5,3 % des gesamten überörtlichen Straßennetzes ca. 32 % der gesamten Fahrleistungen. Aktuelle Prognosen gehen von einer weiteren Erhöhung der Güterverkehrsleistung um 34% bis zum Jahr 2020 aus. Die Länge der Bundesfernstraßen betrug zum 01.01.2006 53.346 km, davon 12.363 km Bundesautobahnen und ca. 40.983 km Bundesstraßen.

In diesem Netz befinden sich mit Stand vom 01.09.2007 ca. 38.000 Brückenbauwerke mit einer Brückenfläche von ca. 29 Mio. m². Die Alterstruktur der Brücken der Bundesfernstraßen macht deutlich, dass ein maßgeblicher Anteil des Bestandes (ca. 60 % bezogen auf die Brückenfläche) in den Jahren 1965 bis 1980 gebaut wurde. Der Brückenbestand in den alten Bundesländern wurde zum großen Teil im Zeitraum 1960 – 1985 gebaut. Untersuchungen zur Beanspruchung der Brücken aus diesem Zeitraum haben gezeigt, dass insbesondere Brücken, die vor 1980 gebaut wurden, Defizite aufweisen, die zu Nutzungseinschränkungen führen können. Zudem ist festzustellen, dass sich der Zustand der Brücken in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert hat. Die Ergebnisse von Verkehrslastsimulationsrechnungen unter Zugrundelegung des derzeit auf hoch belasteten BAB vorhandenen Verkehrs zeigen, dass sich für Verstärkung bzw. Ersatz von Brücken im Zuge der Bundesautobahnen ein Finanzbedarf in Höhe von ca. 3 – 5 Mrd. Euro ergibt. Diese Ergebnisse wurden auf der Grundlage netzweiter Betrachtungen ermittelt.

Zur Identifizierung der zu verstärkenden bzw. zu ersetzenden Bauwerke sind durch die Straßenbauverwaltungen der Länder vertiefte Analysen auf Objektebene durchzuführen. Hierzu wurde festgelegt, bundeseinheitliche Regelungen für die Nachrechnung bestehender Brücken der Bundesfernstraßen aufzustellen. Im Rahmen der Überprüfung bestehender Brücken ermöglichen die Bauwerksdaten nach ASB eine sehr schnelle und effiziente Identifizierung möglicherweise betroffener Bauwerke. Einen ersten Hinweis stellt dabei meist das Baujahr des Bauwerks dar, aus dem auf die der Bemessung zugrunde liegenden technischen Regeln geschlossen werden kann. Zusammen mit weiteren Informationen wie z.B. Bauverfahren, Bauart und Baustoff des Überbaus, Geometrie, verwendete Beton- und Spannstähle kann die Auswahl dann weiter eingeschränkt werden. Bei der Aufstellung von Prioritäten sind in vielen Fällen auch der Zustand bzw. die für die Tragfähigkeit relevanten Schäden am Überbau von Interesse. Hierzu können die Ergebnisse der Bauwerksprüfungen herangezogen werden. Die für eine Nachrechnung bestehender Bauwerke erforderlichen Informationen lassen sich jedoch nicht in allen Fällen vollständig aus den Bauwerksdaten bzw. den vorhandenen Unterlagen entnehmen. Je nach zu verwendendem Nachweisverfahren sind vertiefte Informationen erforderlich, die Untersuchungen am Bauwerk selbst erforderlich machen können. In diesen Fällen sind objektbezogene Schadensanalysen durchzuführen, um zu einer genaueren Beurteilung des Bauwerks zu gelangen.

Weiterlesen unter Bauwerksdiagnose 2008

2 Kommentare »

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  1. Dear Sir,

    Your article is very interesting..

    Are there any guildilines for traffic loads for old bridges..

    The new EN 1991-2 only discousses new brides with respect to traffic lanes width…

    For example if width 9 m, than you must rescpetv traffic load TS480+TS320.., however old bridges are designed to resist a load of 60t. We can not demand from old bridges to resist loads of new standards..

    Are there any guide lines for such cases which traffic load to consider…?

    Mf Milan Rajh

  2. Dear Milan,
    in my opinion even most of new bridges cannot withstand 60t. For the assessment of existing bridges (atleast for historicsteel bridges with heritage value) the Stahlbau 3/2010, p. 209, presents an interesting article with hint on the new Swiss code SIA 269. SIA 269 gives valuable advice and a procedure on assessment of existing bridges.
    Best regards ponton


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